Bei bestem Sommerwetter folgten rund 30 Teilnehmer am 29. Juni der Einladung des Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein zur diesjährigen Betriebetour. Insbesondere Betriebsleiter aus ganz Schleswig-Holstein nutzten die Gelegenheit, sich vor Ort über unterschiedliche Betriebsmodelle zu informieren und Erfahrungen auszutauschen.
Die Tour wurde von Miriam Engel-Zinßius aus der Geschäftsstelle des Pferdesportverbandes sowie Dr. Christiane Müller, Tierschutzbeauftragte des PSH, begleitet und führte zu drei unterschiedlich aufgestellten Pferdebetrieben, die eindrucksvoll die Vielfalt der Pferdehaltung im Land widerspiegeln.
Den Auftakt bildete der Evershof in Travemünde. Betriebsleiter Jörn Evers und die zweite Vorsitzende des Reitvereins, Susanne Hahn, stellten das enge Zusammenspiel zwischen dem angeschlossenen Reitverein Travemünde von 1925 e.V. und dem Pensionsbetrieb vor. Beide Bereiche profitieren voneinander und arbeiten Hand in Hand. Die gegebenen Auslaufflächen werden optimal genutzt, sodass die Pferde täglich möglichst viel Zeit im Freien erhalten. Hervorgehoben wurden zudem die sehr guten Trainingsbedingungen sowie das große Serviceangebot, das maßgeblich auf ein engagiertes und zuverlässiges Mitarbeiterteam zurückzuführen ist.
Anschließend führte die Tour zum Hof Springbek in Wesenberg. Der in den 1960er-Jahren errichtete Stall wurde bereits damals zukunftsorientiert geplant und im Laufe der Jahre kontinuierlich an aktuelle Anforderungen angepasst. Im Mittelpunkt des Austauschs standen die schrittweise Weiterentwicklung und Modernisierung der gesamten Anlage. Besonders vorgestellt wurden die erst kürzlich neu angelegten Paddocks, die mit Drainage sowie pferdegerechten Heuraufen ausgestattet sind. Dadurch stehen den Pferden auch im Winter großzügige, matschfreie Ausläufe zur Verfügung, in denen sie tagsüber in Gruppen gehalten werden und nachts ihre Boxen beziehen.
Den Abschluss bildete der Bewegungsstall Butenhof in Lübeck. Der Betrieb entstand durch den Umbau ehemaliger Schweineställe und zeigt beispielhaft, wie bestehende landwirtschaftliche Gebäude erfolgreich für eine moderne Pferdehaltung umgenutzt werden können. Der Bewegungsstall kommt vollständig ohne technische Steuerungssysteme aus und bietet den Pferden dennoch vielfältige Bewegungs-, Fress- und Rückzugsmöglichkeiten. Die große gemischte Herde ohne Geschlechtertrennung funktioniert dank ausreichend Platz und einer durchdachten Ressourcenverteilung hervorragend und sorgte für großes Interesse bei den Teilnehmenden.
Neben den Betriebsbesichtigungen stand insbesondere der intensive fachliche Austausch im Mittelpunkt. Diskutiert wurden unter anderem die Wirtschaftlichkeit verschiedener Betriebsformen, regionale Unterschiede bei Preisstrukturen und Leistungsangeboten sowie die zukünftigen Anforderungen an Pferdebetriebe. Einigkeit bestand darüber, dass sich Investitionen zunehmend an den Bedürfnissen einer tiergerechten Haltung und den Erwartungen der Pferdehalter orientieren sollten.
Ebenfalls an der Tour nahm Carla Brohme von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein teil. Sie informierte über das EIP-Projekt „Tiergerechtheit Pferd“, an dem die Teilnehmer der Betriebetour großes Interesse zeigten. Sie stellte sie die ab November verfügbare, kostenlose Checkliste zur betrieblichen Eigenkontrolle von pferdehaltenden Betrieben vor, die Betriebsleitern künftig eine praxisnahe Unterstützung bei der Bewertung und Optimierung ihrer Haltungsbedingungen bieten soll.
Beim abschließenden gemeinsamen Grillen auf dem Butenhof wurde der fachliche Austausch in entspannter Atmosphäre fortgesetzt. Die positive Resonanz der Teilnehmenden zeigte einmal mehr, wie wertvoll der direkte Blick in unterschiedliche Betriebskonzepte und der persönliche Erfahrungsaustausch für die Weiterentwicklung der Pferdehaltung in Schleswig-Holstein sind.




