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Sollen, wollen, dürfen – Das war die „Pferd und Umwelt“-Tagung 2019

Rund 30 interessierte Pferdefreunde trafen sich auch in diesem Jahr wieder am zweiten Mittwoch im März zur „Pferd und Umwelt“-Tagung des Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein e.V.. Auf dem Plan standen spannende Themen rund um Naturerlebnis, Naturschutz und Pferdehaltung.

Nortorf. „Wie kommt man eigentlich mit dem Pferd nach Dänemark?“ -  „Ganz einfach: Aufsteigen, rüber reiten, absteigen.“ Das Eröffnungsstatement  von Treck-Tour-Organisatorin Bente Lück sorgte erst einmal für Belustigung im Saal, denn fast jeder, der schon mal mit seinem Pferd über die Grenze wollte, erinnerte sich vor allem an den bürokratischen Aufwand. Doch was wie ein Scherz anmutet, sei tatsächlich Fakt, erklärte die nordfriesische Schleswiger-Züchterin, denn bürokratisch werde es eigentlich nur dann, wenn der Mensch das Pferd transportiert - und nicht umgekehrt. Allerdings wisse das kaum jemand. So gab sie einen unterhaltsamen und praxisnahen Abriss über die Tücken des dänischen Wildschweinzauns, die wichtigsten Verordnungen und Formulare und über Grenzbeamte, die im Paragraphendschungel selbst die Orientierung verlieren.

Noch bürokratischer wird es, wenn der Mensch das Pferd nicht transportieren, sondern an einem bestimmten Platz behalten und dafür geeignete Bauten errichten möchte. Jürgen Lamp, langjähriger Experte für Pferdehaltung der Landwirtschaftskammer, erklärte anschaulich, wer wo und unter welchen Voraussetzungen überhaupt Pferde halten, geschweige denn für diese Pferde eine Halle, einen Stall oder auch nur einen Zaun bauen darf. Das ernüchternde Fazit: Als privater Pferdehalter darf man eigentlich gar nichts. Im Außenbereich dürfe man zwar alles halten, im Prinzip aber nichts bauen und im Innenbereich dürfe man zwar (mit Genehmigung) alles bauen, aber nichts halten. Dennoch gäbe es einen kleinen Hoffnungsschimmer: Auch wenn privilegiertes Bauen im Außenbereich vor allem land- und forstwirtschaftlichen Betrieben vorbehalten sei, hätten die Behörden einen Ermessensspielraum andere Bauvorhaben zuzulassen, wenn dem keine öffentlichen Belange entgegenstehen und die Erschließung gesichert ist.

Für die Glücklichen, die bereits ein geeignetes Fleckchen Erde für die Pferdehaltung gefunden haben, erläuterte Detlev Finke vom Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) anschließend, wie man Pferdehaltung so gestalten kann, dass sie einen Beitrag zum aktiven Naturschutz leistet. Wer sich für artenreiches Grünland und extensive Nutzung entscheide, täte damit den Pferden und der Umwelt gleichermaßen etwas Gutes. Denn die bunte Wiese biete nicht nur einen Lebensraum für zahlreichen Pflanzen- und Insektenarten und wirke so dem Insektensterben entgegen, sie käme auch den natürlichen Futterbedürfnissen des ursprünglichen Steppentieres deutlich näher und sei damit auch der Gesundheit der Pferde zuträglich. Der DVL berät interessierte Pferdefreunde und Grünlandnutzer gern zu den verschiedenen Möglichkeiten, artenreiches Grünland anzulegen und zu bewirtschaften.

Was das Pferd am einen Ende frisst, scheidet es am anderen natürlich auch wieder aus und seit Inkrafttreten der neuen Düngeverordnung herrscht bei vielen Pferdehaltern und Landwirten Verunsicherung, wenn es um die Abnahme und das Ausbringen von Pferdemist geht. Leider sei das auch nicht „mal eben“ in 20 Minuten umfassend zu erklären, bedauerte Angela Klindt von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein zu Beginn ihres Vortrages „So ein Mist mit dem Mist“. Trotzdem gelang es Ihr, den Teilnehmern einen fundierten Überblick über die Bestimmungen, Hintergründe und den praktischen Umgang mit der Verordnung zu geben und den hohen ökologischen Wert organischen Düngers zu verdeutlichen.

So behandelte die Tagung zahlreiche Aspekte des weiten Themenkomplexes „Pferd und Umwelt“ und das breit gefächerte Spektrum kam an. Vom Freizeitreiter über private Pferdehalter bis hin zum Landwirt und Betriebsinhaber stiegen die Teilnehmer lebhaft in die Diskussion ein und der Abend klang erst eine ganze Weile nach den letzten Beiträgen bei angeregten Gesprächen aus.