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Angstfrei ins Gelände – Die Landesbreitensporttagung 2019

Manchmal muss man einfach ein bisschen mutig sein – das gilt auch für Tagungsplanungen. Das Breitensportteam des Pferdesportverbandes hatte lange mit sich gerungen, ob man ausgerechnet das Thema „Gelände“ zum Schwerpunkt einer Tagung machen sollte, die seit Jahren traditionell mitten im Winter stattfindet, doch der Mut wurde belohnt.

(Heist.) Bei strahlendem Sonnenschein und nur noch leicht gefrorenem Boden konnten die mehr als 100 Teilnehmer am 1. Sonntag im Februar die diesjährige Landesbreitensporttagung auf dem Geländeplatz der Reitschule Johannenhof in Heist besuchen. „Angstfrei ins Gelände“ war das Motto des Tages – und das nicht ohne Grund. Bereits seit einigen Jahren zeichnet sich ein deutlicher Trend ab, dass immer mehr Pferdefreunde in den heimischen Hallen oder doch zumindest auf dem sicher umzäunten Reitplatz bleiben, anstatt auch mal „draußen“ die Seele baumeln zu lassen oder einen flotten Galopp im Gelände zu genießen. Fragt man nach den Gründen hierfür, bekommt man erschreckend häufig zur Antwort, das sei zu gefährlich. Die Reiter sorgten sich, dass ihnen oder dem Pferd etwas passieren könnte und die Ausbilder scheuten sich vor der Verantwortung.

Doch wenn man eine prinzipielle Unfallgefahr als Grund heranzieht, mit dem Pferd nicht mehr nach draußen zu gehen, müsste man dann nicht auch davon ausgehen, dass der Umgang mit dem Pferd generell viel zu gefährlich ist und man das lieber bleiben lassen sollte? Egal ob Reiten, Fahren, Voltigieren oder Ponykuscheln, wir haben schließlich ein Lebewesen in Obhut und Umgang. Doch eine fundierte Ausbildung von Mensch und Pferd ist die beste Grundlage um ein mögliches Risiko so gering wie möglich zu halten und die gemeinsame Zeit unbeschwert zu genießen. Und gerade die Ausbildung im Gelände ist dafür von besonderem Wert.

Deshalb erläuterten die Referenten in ihren Praxisdemonstrationen ausführlich, worauf bei der gezielten Vorbereitung für das Geländevergnügen zu achten ist. Frauke Luckmann und ihr Team hatten zum Auftakt GHP-ähnliche Hindernisse auf dem Platz verteilt, um zu demonstrieren wie man Gelassenheit und Trittsicherheit des Pferdes am Boden oder im Sattel in natürlichen Situationen trainieren kann, damit weder Unterholz noch Müllsäcke unterwegs zu ernsthaften Hindernissen werden. Wibke Behrens führt die Reihe fort, in dem Sie dazu alternative Beschäftigungsmöglichkeiten für Pferde im Gelände vorstellte, wie zum Beispiel das Fahren vom Boden oder das Reiten mit Handpferd, und auch erklärte, wie man diese Dinge Schritt für Schritt erarbeiten kann.

Besonders aufregend wurde es dann für die freiwilligen Reitschüler, als Gastgeber Johannes Beck-Broichsitter die „echten“ Geländehindernisse in Spiel brachte. Doch schnell war auch hier klar: Mit kleinen Schritten und ein bisschen Mut erkennen Pferd und Reiter, „dass Sie mehr können als sie am Anfang meinen“, wie der Pferdwirtschaftsmeister auch in seinen Lehrgängen immer wieder feststellt. Einfach mal frisch vorwärts zu galoppieren, anstatt immer „auf der Bremse zu stehen“ tue Mensch und Pferd psychisch und physisch einfach gut – und mache noch dazu richtig Spaß.
Generell sei es sehr wichtig, die Schüler zu ermutigen, sich auch mal was zu trauen und die Dinge bedacht, aber aktiv anzugehen, denn nur so könnten sie auch zu einer gesunden reiterlichen Eigenständigkeit finden, darin waren sich alle Referenten einig. Das sei vor allem auch wichtig, wenn es um Lehrgänge und Abzeichenprüfungen ginge. „Unsere Schüler sollen verstehen, warum sie Dinge tun, damit sie sie in der Praxis anwenden können, anstatt sie nur für die Prüfung auswendig zu lernen“, betonte die PSH-Breitensportbeauftragte Antje Voß in ihrem Beitrag zum Thema Reitpass & Co., „denn nur so können sie zu sicheren, eigenständigen Pferdemenschen werden“.

Doch nicht nur sportfachlich, sondern auch wissenschaftlich ist inzwischen bewiesen, wie gesund so ein Aufenthalt im Gelände, insbesondere im Wald, ist. Das erläuterte Britta Herbst, Breitensportkoordinatorin für „Pferd und Umwelt“ im PSH, im zweiten Teil der Tagung. Dabei spräche man hier bei Weitem nicht mehr nur von frischer Luft und Ruhe. Die Substanzen und Duftstoffe, die die Pflanzen und Pilze des Waldes freisetzten zeigten in Studien immer wieder bemerkenswerte gesundheitsfördernde und die Immunabwehr stärkende Wirkung – weshalb es in Japan inzwischen sogar „Waldbaden“ auf Krankenschein gibt.

Anschließend stellte Berittführerin Petra Dau noch einige moderne und digitale Hilfsmittel zur Routenplanung und Orientierung vor, die für alle Pferdefreunde problemlos zugänglich und leicht anwendbar sind, so dass dem gesunden Spaß im Gelände nichts mehr im Wege stehen sollte.

Man muss sich einfach nur noch trauen…

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