Entspannung, Tradition und Sport – Das war die Betriebetour 2017

Rund 30 interessierte Pferdebetriebsinhaber waren am 11. Mai bei schönstem Frühlingswetter der Einladung des Arbeitskreises Pferdebetriebe gefolgt, im Rahmen der PSH-Betriebetour verschiedene Haltungskonzepte ihrer Kollegen kennenzulernen und neue Eindrücke und Ideen zu gewinnen. In diesem Jahr standen für die Tour drei Betriebe zwischen Brunsbüttel und Itzehoe auf dem Programm.


Dithmarschen/Steinburg.
Westernpferde gelten ja allgemein als besonders entspannte Zeitgenossen unter den Vierbeinern und schon bei der Ankunft im Bucking Horse Stable, dem Aktivstall von Trainerin Annkathrin Kühl, bietet sich ein Bild, das uns diese Annahme zu bestätigen scheint: Der Großteil der 34 Pferde starken Herde liegt in der Sonne und döst. Als wir das große Paddock betreten, sind wir schnell von zahlreichen neugierigen Fellnasen umringt – es ist ein wenig wie im Streichelzoo. Dieses ruhige Miteinander ist aber keine Frage der Reitweise, wie wir lernen dürfen, denn die Herde ist in jeglicher Hinsicht bunt gemischt: Jung und alt, Stuten und Wallache, klassisch gerittene und Westernpferde gemeinsam. Neben der Haltungsform an sich, liegt der Schlüssel zum entspannten Herdenleben hier vor allem darin, dass der Großteil der Gruppe schon sehr lange zusammen ist und nur selten andere Pferde hinzukommen. Die Bindungen innerhalb der Herde seien so stark, dass man sich selbst bei der Betriebserweiterung vor drei Jahren entschieden habe keine Unterteilung nach Geschlechtern vorzunehmen, sondern einfach eine weitere Herde nach dem gleichen Konzept aufzubauen – mit Erfolg.


Die zweite Station auf der Tour wird von allen mit Spannung erwartet: Wir sind zu Gast bei Breido Graf zu Rantzau auf Schloss Breitenburg. Auch der Präsident der FN wirkt ausgesprochen gelassen, als die Kolonne staunender Besucher auf der eindrucksvollen Anlage zwischen weißen Bauten und grünen Wiesen eintrifft. Ganz pragmatisch übernimmt er auch mal eben das Zuweisen der Parkplätze, bevor er die Gruppe zu den Stallungen begleitet. Sport und Zucht haben hier eine lange Tradition und stehen auch heute noch im Fokus der Familie. Er selber habe nicht mehr viele Pferde und konzentriere sich nur noch mit den wirklich erfolgversprechenden auf die Zucht, erläutert unser Gastgeber und führt durch die altehrwürdigen Hallen. Und weil die Stallbesichtigung recht bald abgeschlossen ist, wird uns noch eine besondere Ehre zu teil: Der Graf geleitet uns ins Schloss, das die Familie Rantzau seit nunmehr fast 500 Jahren bewohnt, und lädt uns zu einer kurzen Pause auf die Schlossterrasse, bevor wir zur nächsten Etappe aufbrechen.


Ganz versteckt im Grünen liegt „Stall Basten“, die moderne Reitanlage, die Evi Bengtsson vor nur wenigen Jahren auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz errichtet hat. Inmitten von Schießständen, Bunkern und Wällen hat sie sich ihren Traum verwirklicht. Eine große, Lichtdurchflutete Reithalle, großzügige Boxen mit automatischer Entmistung, eine Führanlage mit Blick in die Natur und natürlich ein großer, einladender Springplatz sind hier innerhalb kürzester Zeit entstanden. Das ungewöhnliche Gelände bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten. So wurden die Schießstände zu Paddocks mit integriertem Unterstand umfunktioniert, einige der Wälle wurden bereitbar gemacht und selbst der Füllsand aus den abgetragenen Wällen ließ sich andernorts weiterverwenden. Auf 11 Hektar lebt und arbeitet die erfolgreiche Springreiterin nun und wird dabei von vier weiteren Damen und ihrer motorisierten „Weidefrau“ unterstützt. Doch der Umbau ist noch längst nicht am Ende, es stehen noch einige Veränderungen an. So darf sich das Amazonen-Team in Kürze auch über männliche Verstärkung freuen, wenn Evis Ehemann Rolf-Göran Bengtsson mitsamt seinen Pferden Einzug im Stall Basten hält.