Gemeinsam macht’s mehr Spaß! – Die Landesbreitensporttagung 2016

Rund 100 breitensportbegeisterte Pferdefreunde fanden sich am ersten Sonntag im Februar zur alljährlichen Landesbreitensporttagung des Pferdesportverbandes ein und - ganz entgegen der Tradition - durften sie sich dieses Jahr neben den interessanten Themen sogar über Plusgrade freuen.


Norderstedt / Hasloh.
Dass Reiten ein „Individualsport“ ist, hört und liest man heutzutage häufig. Dass das aber ganz und gar nicht so sein muss, sondern dass der Spaß am Pferd gemeinsam und im Team noch viel größer ist, wurde eindrucksvoll auf der Landesbreitensporttagung in Norderstedt demonstriert.


Die Reitsparte des Norderstedter Sport- und Freizeitvereins, die dieses Jahr als Gastgeber fungierte, hatte gemeinsam alles bestens vorbereitet und gab gleich zum Auftakt unter der Leitung von Trainerin Alexandra Krahl einen spannenden Einblick in die Welt des PM-Schulpferde-Cups. Hier geht nichts ohne Teamgeist, denn alle fünf Teilwettbewerbe des bundesweiten Cups werden als Mannschaft absolviert. Ein Dressurreiterwettbewerb, leichter Sitz, ein Hindernisparcours, Vormustern und Theorie werden den Teilnehmern abverlangt und es wird ausschließlich auf Schulpferden geritten. Teilnehmer und Ausrichter des Cups werden von den Persönlichen Mitgliedern der FN großzügig gefördert, so dass es eigentlich erstaunlich ist, dass derzeit nur vier aktive Mannschaften aus Schleswig-Holstein am Start sind. Die Mannschaft vom Reiterhof Schreiber, die im vergangenen Jahr bundesweit den 3. Platz belegte ist sich einig: „Es macht einfach unheimlich viel Spaß und man wird von allen toll unterstützt.“ Und weil man hier „keine Konkurrenz, sondern nur Mitstarter“ hat, wie Alexandra Krahl betont, kann man allen aktiven Schulpferdereitern und Vereinen nur empfehlen, sich einmal darauf einzulassen und einfach mitzumachen oder auch selbst eine Qualifikation auszuschreiben. Weitere Infos hierzu gibt es bei der FN und beim Pferdesportverband.


In der „Bodenarbeit für Kinder“ durfte der pferdesportliche Nachwuchs des NSV anschließend gemeinsam mit seinen Ponys einen bunten Zauberwald erkunden. Unter der Anleitung von Antje Voß trotzten sie gruseligen Dingen wie Felsblock-Bällen und Moor-Planen. „Wenn man sie spielerisch und kreativ verpackt“, erklärt die Breitensportbeauftragte des Pferdesportverbandes, „dann haben Kinder an der Bodenarbeit genauso viel Spaß wie am Reiten und lernen, fast nebenbei, mit ihrem Pferd oder Pony in den verschiedensten Situationen sicher umzugehen. Außerdem festigt es die Verbindung zwischen ihnen und hilft, eventuell vorhandene Ängste abzubauen.“


Nach der Praxis und einem überwältigenden Mittagsbuffet, für das wir dem Landhaus Schadendorf an dieser Stelle noch einmal unseren Dank aussprechen möchten, ging es dann über zu den theoretischen Vorträgen.


Annika Pech vom Landessportverband erläuterte anschaulich die vielfältigen Möglichkeiten für Vereine, auf neuen Wegen und durch Kooperationen mehr Mitglieder für ihre Gemeinschaft zu gewinnen und auch wie man eigentlich herausfindet, für welche Zielgruppen spezifische Angebote besonders lohnenswert sein könnten. Vor allem vereinsübergreifende Kooperationen hätten sich bewährt und Schnupperangebote in Kursform, insbesondere mit einem Schwerpunkt auf Wellness und Fitness, wären heutzutage von berufstätigen Männern und Frauen, die sich immer weniger fest im klassischen Verein binden wollen, stark nachgefragt.


Eine weitere Zielgruppe in der sich viele potenzielle Neu-Mitglieder tummeln, sind diejenigen, die gerne gebisslos mit ihren Pferden unterwegs sind. Da die Meinungen über diese Form des Reitens sehr auseinander gehen, gab Pferdewirtschaftsmeisterin Waltraud Böhmke in ihrem Vortrag eine detaillierte Analyse der Anforderungen an pferdegerechtes Reiten anhand der Richtlinien für Reiten und Fahren, der Westernreitlehre und der H.Dv.12. Es zeigte sich schnell, dass das Gebiss in der klassischen Ausbildungsskala im Prinzip nur in direktem Zusammenhang mit der Anlehnung steht. Da gebisslose Zäumungen aber eher auf die Impulse des Signalreitens, als auf eine konstante Anlehnung ausgelegt sind, kann für diesen Punkt auch die im Westernreiten gewünschte „Nachgiebigkeit“  oder eine „mentale Anlehnung“ an deren Stelle treten. Legt man nun für eine Beurteilung jenseits der Dressuranforderungen die Ausbildungsziele der H.Dv. 12 und der Richtlinien zugrunde, nämlich dass „ein Pferd von einem Durchschnittsreiter leicht in der Gebrauchshaltung zu reiten […] ist“ , bzw. „ein leistungsbereites willig mitarbeitendes Pferd, unabhängig von dessen Einsatz“, kommt man zu dem Schluss, dass ein freizeitmäßiges pferdegerechtes Reiten auch ohne Gebiss möglich ist. „Wobei aber immer ganz klar sein muss“, stellt die erfahrene Ausbilderin und Züchterin heraus, „dass, ob Wassertrense, Kandare oder gebisslos,  gutes und sicheres Reiten keine Frage der gewählten Zäumung sondern der Ausbildung des Reiters ist.“


Zum Abschluss gab es dann noch einen kurzen Blick auf die aktuellen Entwicklungen im Breitensport und schließlich ließ man die Tagung gemeinsam – denn so macht es ja mehr Spaß – bei Kaffee, Kuchen und angeregten Gesprächen ausklingen.

             Fotos: Holger Hansen