Alles ganz entspannt: Die Landesbreitensporttagung 2017

Rund 100 Pferdefreunde aus ganz Schleswig-Holstein fanden sich am 1. Februar zur alljährlichen Landesbreitensporttagung des Pferdesportverbandes zusammen. Unter dem Thema "Stress lass nach!" ging es dieses Jahr darum, wie Mensch und Pferd Spannendes erleben und gemeinsam Herausforderungen meistern können – und das ganz ohne Stress.

(Fahrdorf.) Kalt und grau hing der Himmel an diesem Morgen über der Reitanlage Fahrdorf, aber das hielt die rund 100 Teilnehmer nicht davon ab, mit bester Laune in einen abwechslungsreichen Tagungstag zu starten. Kathleen und Jens-Uwe Marquardt und ihr fleißiges Helfer-Team machten es den Besuchern dabei leicht, sich wohl zu fühlen: Liebevoll dekorierte Sitzplätze in der Reithalle, heiße Getränke und belegte Brötchen für die Menschen und obendrauf noch ein leckeres Kraftfutterpaket zum Mitnehmen für den Liebling zu Hause, gesponsert vom LandMarkt Gettorf.


Zum Tagungsauftakt zeigten die jungen Reiterinnen des Hofes gemeinsam mit ihren Ponys, wie vielseitig eine gute Grundausbildung im Pferdesport ist und gaben, unter der Leitung von Trainerin Kathleen, Einblicke in die Grundlagen von Bodenarbeit, Dressur, Springen und sogar Gelände und demonstrierten ganz nebenbei, dass Youngsters und Senioren ein gutes Match sein können, denn eine der jüngsten Reiterinnen saß dabei auf Gertrud, der „rasenden Rentnerin“, einer agilen Shetty-Dame von über 30 Jahren. Vielseitigkeit wird im Reitverein Fahrdorf wörtlich genommen und so bebte ein wenig die Erde, als mit größter Selbstverständlichkeit auch ein Kaltblut die Geländehindernisse überwand. Und wollte bei den Mitreitern ein Sprung mal nicht im ersten Anlauf klappen, dann gab es eben noch eine Zusatzrunde oder ein bisschen Führungshilfe vom Fellkollegen. Eben alles ganz entspannt und ohne Druck. Überhaupt lebt es sich hier als Schulpferd sehr entspannt, denn neben einem großzügigen Wohnarrangement im Offenstall bekommt jedes Schulpferd zwei feste Reitbeteiligungen, die bis zu drei Mal die Woche Unterricht nehmen und das Pferd betreuen und damit auch die einzigen sind, die dieses Pferd reiten.
Unter dem Titel „Showelemente entspannt entwickeln“ demonstrierte Corinna Scholz anschließend mit vier Schülerinnen und Pferden des Hofes, dass im Prinzip jedes Pferd die Ruhe selbst sein kann und sich das nur zu bekannte „Mit meinem könnte ich das ja nie machen!“ ganz schnell in Wohlgefallen auflöst, wenn man nur weiß, worauf man achten muss. Und so trabten nach einem umsichtigen Vertrautmachen mit dem neuen Gegenstand schon kurz darauf vier fröhliche Paare mit wehenden Fahnen durch die Halle. Weder die Pferde noch die Reiter hatten das zuvor gemacht.

Vor dem Mittagessen gab es dann noch eine große Hofführung, danach ging es mit Vorträgen zu den Themen Stressentstehung, -erkennung und -vermeidung  weiter. Die Referenten wählten dabei ganz unterschiedliche Ansatzpunkte und brachten ihre persönlichen Kompetenzen zum Gewinn aller Zuhörer mit ein. Jens-Uwe Marquardt nutzte sein Wissen aus der Personalführung, um zu erklären, was Stress eigentlich ist, warum er manchmal gut sein kann, aber auch warum er abgebaut werden muss, um sich nicht negativ auszuwirken. Stine Küster von Pferstand sensibilisierte für die bewusstere Wahrnehmung unserer fellnasigen Begleiter. Die Ausbilderin für Ausdrucks- und Lernverhalten arbeitet seit vielen Jahren mit Verhaltensbiologin Marlitt Wendt zusammen und gab an diesem Nachmittag eine Einführung in das EFACS (Equine Fascial Action Coding System). Die Teilnehmer lauschten gespannt und lernten einige neue Ansätze, um Stresssymptome bei Pferden frühzeitig erkennen zu können. Die zahlreichen darauf folgenden Nachfragen zeigten deutlich, dass dieses Thema vielen Pferdefreunden am Herzen liegt. Dass stressfrei aber nicht gleichbedeutend mit langweilig sein muss, betonte Maritres Hötger in ihrem Vortrag „Bühnenreif – vom Lampenfieber zur Losgelassenheit“. Die Breitensportreferentin des Pferdesportverbandes ist  nicht nur Ausbilderin, sondern auch studierte Theaterwissenschaftlerin und gab show-interessierten Pferdesportlern einige Orientierungshilfen, wie sich ein Publikum in Atemlosigkeit versetzen lässt, auch ohne dass Ross und Reiter dabei die Puste ausgeht.

Schließlich debattierte man bei Kaffee und Kuchen noch ein wenig, tauschte Kontaktdaten aus und war sich einig, dass der Tag viel zu schnell vergangen war.

Christina Roesler





         Fotos: Christina Roesler