„Schick mal ein Konzept, dann sehen wir mal…“ – Appelle und Erkenntnisse von der Reit- und Fahrwegetagung 2014

Offene Worte, ein Förster als Publikumsliebling und eine lang ersehnte Überraschung – die alljährliche Reit- und Fahrwegetagung des Pferdesportverbandes hatte den rund 40 Teilnehmern auch dieses Jahr einiges zu bieten.

(Neumünster) „Nur gemeinsam können wir etwas für unseren Sport erreichen. Und nicht nur irgendwann, sondern jetzt!“ so lautete das Fazit von Hans-Peter Lorenzen, der als Reitwegebeauftragter des Kieler Renn- und Reitervereins mit viel Herzblut berichtete, wie man sich in der Landeshauptstadt 14 km Reitwege erkämpfen konnte. Durchhalten, starke Partner ins Boot holen, stetig informiert bleiben und sich nicht mit Ausreden abspeisen lassen, aber dennoch als freundliche, aber beharrliche Bittsteller auftreten, das sei in Kiel der Schlüssel zum Erfolg gewesen. Und mit dieser Strategie soll nun als nächstes die Erweiterung der Wege am Rande des Nord-Ostsee-Kanals angegangen werden.


Wie man die so gewonnen Wege ausgiebig zu Pferde genießen und gleichzeitig für weitere eintreten kann, darüber referierte die frisch berufene Breitensportkoordinatorin und ausgebildete Wanderreitführerin Britta Herbst. Mit einem Vortrag über das Reisen zu Pferde und einem Ausblick auf die diesjährige SternStafetten Trecktour, die mit Reitern und Gespannen unter der Leitung von Bente Lück 250 km rund um den Plöner See zurück legen wird, zeigte sie nicht nur die Faszination des Wanderreitens auf, sondern machte auch deutlich wie gut geplante Aktionen uns helfen, unser Anliegen an die Menschen heranzutragen und mit ihnen in einen Dialog zu kommen.


Wie wichtig Dialog und Kommunikation beim Einsatz für die Reit- und Fahrwege sind, zeigte sich auch deutlich am Beispiel des neu geschaffenen Fahrwegenetzes in der Försterei Bordesholm. Rund 20 km konnten hier als Gespannfahrwege ausgewiesen werden, weil die Fahrer die Initiative ergriffen und das Gespräch mit der Försterei suchten. „Schick mal ein Konzept, dann sehen wir mal…“ lautete die pragmatische Antwort von Revierleiter Jörn Winter auf die Anfrage von Hans-Jürgen Staack, der schon lange und regelmäßig Ausfahrten für die Fahrergemeinschaft organisiert und bei einer Reitwegeeinweihung die Gelegenheit beim Schopf ergriff.


Die meisten der Anwesenden zeigten sich von der offenen Art des Försters positiv überrascht, waren sie es doch gewohnt, nicht zuletzt aufgrund einiger schwarzer Schafe, meist auf Ablehnung zu stoßen. „Wenn acht von zehn sich richtig verhalten, können die Acht ja nicht die Dummen sein“, erklärt Winter seinen Standpunkt, aber es sei auch unabdingbar Kompromissbereitschaft zu zeigen und auch die Bedürfnisse anderer Nutzergruppen des Waldes zu respektieren, ganz gleich ob Holzwirtschaft, Jagd oder Wanderer. Soviel Offenheit wurde von den Anwesenden mit viel Begeisterung und Applaus belohnt.


Nicht minder begeistert waren die Gäste aber auch von der Überraschung des Abends: EquIS, die langersehnte digitale Pferdesportkarte ist nach zwei Jahren intensiver Arbeit endlich online und steht auf www.pferdesportverband-sh.de allen Pferdefreunden frei zur Verfügung. Das „Equestrian Information System“ bietet nun die Möglichkeit problemlos nach ausgewiesenen Reit- und Fahrwegen im ganzen Land zu suchen und sich diese anzeigen und auch ausdrucken zu lassen. Einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt die Karte allerdings nicht, denn es dürfen nur Wege dargestellt werden, für die von der Gemeinde bzw. den Wegerechtsinhabern eine schriftliche Genehmigung vorliegt. Es ist aber zu hoffen, dass die noch bestehenden Lücken nach und nach gefüllt werden können.


Neben dem praktischen Nutzen für die Anwender hat das Gemeinschaftsprojekt des PSH und der Hafencity Uni Hamburg, das von den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten unterstützt wird und unter der Leitung von Landesjugendwart Kay Zobel und Reit- und Fahrwegeberaterin Dr. Deike Timmermann entstand, auch den Sinn aufzuzeigen wo im Land tatsächlich noch „weiße Flecken“ bestehen und dort so noch besser für die Freigabe von Reit- und Fahrwegen eintreten zu können.


Zum Abschluss des Abends dankte die Reit- und Fahrwegebeauftragte des PSH, Dr. Christiane Müller, allen Referenten und Aktiven  und appellierte auch daran, das Gehörte zu beherzigen und umzusetzen und sich auch weiterhin mit so viel Engagement für das Reiten und Fahren in der Natur stark zu machen.

Gegenseitige Rücksichtnahme und Kompromissbereitschaft sind der Schlüssel zu einem entspannten Miteinander und mehr Reit- und Fahrwegen in Wald und Flur. (Foto: Birgit Behnemann)