Tierschutzseminar 2013 - Westerntrainerin Martina Sell berichtet

Wie jedes Jahr hatte der Pferdesportverband Schleswig-Holstein auch im Januar 2013 zur Tierschutztagung in das Holstenhallen-Restaurant in Neumünster eingeladen. Über 200  PM Mitglieder, Tierärzte, Reiter. Berufsschüler und Interessierte waren der Einladung gefolgt, weil auch dieses Jahr sehr interessante Themen auf der Tagesordnung standen.

Überschrift: Moderne Pferdehaltung, Reiten mit oder ohne Gebiss und wie wirkt sich Zäumung aus.

Letztes Jahr hatte ich selbst die Ehre zu den Referenten zu zählen, mein Thema war es, das Westernreiten im Hinblick auf die Ausbildungsskala vorzustellen.

Die Einleitung übernahm der der Vorsitzende des PSH, Dieter Medow,  gefolgt  vom Präsidenten der Schleswig-Holsteinischen Tierärztekammer, Dr. Jens-Peter Greve. Dieser machte deutlich, wie wichtig das Thema Tierschutz in unserem Sport ist, in welche Bereiche es greift und verstand es, gleichzeitig einen gelungenen Nachruf auf den kürzlich verstorbenen, sehr bekannten Tierarzt Dr. Karl Blobel einzuflechten.

Erste Referentin war Frau Dr. Christa Finkler-Schade, zum Thema Pferdehaltung heute. Unter Einbindung einer Power Point Präsentation wurden Entwicklungen der letzten Jahrzehnte und Möglichkeiten der Zukunft vorgestellt. Für mich persönlich waren die wichtigsten Aussagen z.B. ein Untersuchungsergebnis, dass es für Pferdebesitzer bei der Stallsuche das wichtigste Kriterium ist, dass sich das Pferd wohl fühlt. Kriterien wie Anfahrtsweg, Freundeskreis, Preise und Prestige standen deutlich im Hintergrund. Pferdebesitzer sind aufgeklärter und anspruchsvoller geworden, im Hinblick auf artgerechte Haltung und Versorgung und sollten dies auch einfordern.

Es wird sich in der Zukunft für Betriebe auszahlen, durch manchmal schon relativ kleine Umbauten für bessere Haltungsbedingungen mit mehr Bewegung zu sorgen. Reine Einzelhaltung in Boxen ganz ohne Auslauf gilt mittlerweile nicht mehr nur als tierschutzrelevant, sondern tierschutzwidrig. Ebenso gilt die Haltung auf Böden (auch Gummimatten) ohne Einstreu als nicht tiergerecht.

Als nächstes berichtete Frau Dr. Christiane Müller über die Beurteilung von Pferdebetrieben, den Einsatz von Tierschutzvertrauenspersonen und deren Möglichkeiten.

Dazu gehört auch die Kennzeichnung von Betrieben, die mit dem Grundschild Pferdehaltung beginnt. Daher kannte ich sie auch persönlich und kann bestätigen, dass man von ihr viele gute Hinweise zur Verbesserung erhalten, oder sich von ihr an entsprechende Fachleute weiterleiten lassen kann.

Im Anschluss war nochmal Frau Dr. Finkler-Schade am Rednerpult, zu ihrem zweiten Thema, den Weidezäunen. Es ging um Sicherheit nach innen und aussen, Rechtsprechung in Versicherungsfällen, Möglichkeiten, Ideen und Preise. Ein weites Feld mit vielen modernen Lösungen und für mich mit dem Fazit, sich vor einem Zaunbau oder einer Erneuerung bei Fachleuten über individuelle Möglichkeiten zu informieren.

Die Vorträge waren sehr kurzweilig, trotzdem tat die Pause gut. Wir konnten essen und uns die Beine vertreten, bevor es um 19 Uhr weiterging.

Einleitung diesmal durch den Landestrainer Herrn Detlef Peper, mit einem Erklärungsangebot dazu, wo denn beim Pferd die Bremse sei - natürlich nicht im Pferdemaul. Denn der zweite Teil des Abends galt Gebissen und Zäumungen.

Erster Referent war Herr Karl-Friedrich von Holleuffer, Trainer-A-Fahrsport, bekannt durch seine einschlägigen Seminare. Seinen Vortrag unterstützte er nicht nur mit einer Präsentation an der Leinwand, sondern mit diversen Apparaturen, an welchen man Gewichtsverteilungen und Druckpunkte von unterschiedlichen Zäumungen und Gebissen messen kann. Besonders in Erinnerung blieb mir die Aussage "Reiten ist eine Kunst, kein Handwerk" und wie ein Mantra kam immer wieder "einfach mal dran denken, Zügelführung sensibler machen!"

Wissenswert: ein richtig verschnalltes Reithalfter kann den Druck auf das Pferdemaul mindern, auf Sperriemen darf mittlerweile auch in Prüfungen verzichtet werden und das richtige Gebiss ist nicht unbedingt das mildeste, sondern das, mit dem sich das jeweilige Pferd wohl fühlt.

Schliesslich war auch noch Peter Kreinberg am Rednerpult. Bekannter Westerntrainer, Reitschulbetreiber, Buchautor und Gründer und Lehrer der Gentle-Touch-Methode.

Thema: Gebisslose Zäumungen.

Sehr ausführlich und anschaulich nahm er uns mit auf eine Reise durch die Geschichte zur Entwicklung von Zäumungen und sogar zum Entstehen von Begriffen wie "Zaum" und "Hackamore".

Er verfügt über einen enormen Wissensschatz durch gewissenhafte, jahrzehntelange Recherche und versteht es, dieses Wissen sehr eingängig zu vermitteln.

Die Anwesenden waren gepackt und fasziniert. Nur Frau Maritres Hötger kam etwas ins Schwitzen, weil sie mit Beamer und Videokamera seinem schnellen Wechsel zwischen der vorbereiteten Präsentation und seinen spontanen Demos mit mitgebrachten, gebisslosen Zäumungen folgen musste...

Da ich selbst gern gebisslos im Bosal reite und trainiere, konnte ich viel Bestätigung finden. Wer bisher keinen Zugang zum Thema hatte, bekam einen fundierten Vortrag, dass die Bremse beim Pferd MENTAL zu suchen ist, in einer soliden, vertrauensvollen Ausbildung und mentalem Respekt zum Reiter und nicht in mechanischen, Angst und Schmerz erzeugenden Hilfsmitteln. Anschaulich bestätigt durch Fotos, auf denen Pferde im Bosal oder ganz ohne Zaum eindeutig selbständig auf der Hinterhand arbeiten.

Immer wieder betonte Peter Kreinberg die Verbindungen zu seinen Vorrednern. Es ging nie um besser, schlechter, richtig oder falsch, sondern darum, die besten Lösungen für unseren Partner "Pferd" zu finden, wenn wir reiten wollen.

Mir persönlich tat es gut, zu dieser Jaheszeit Gleichgesinnte zu erleben. In dieser Zeit, in der sich Pferdehalter wie ich mit Frost, eingefrorenen Wasserleitungen, Regen, Matsch und ähnlich Unerfreulichem auseinandersetzen müssen ist es ein grosser Motivationsschub. Ich weiß wieder, warum ich mich für die Arbeit mit Pferden entschieden habe.

Martina Sell
Trainer-A-Westernreiten