Bunte Vielfalt rund um's Pferd - Das Landesbreitensportturnier 2013

Unglaublich, was im Pferdesport alles möglich ist: Voltigieren, Zirkuslektionen, Western- und Barockreiten, Tölten, auf einem Schwebebalken balancieren und noch so vieles mehr – auf dem 18. Landesbreitensportturnier in Bad Segeberg gab es am vergangenen Wochenende für Pferdefreunde wieder viel zu sehen.

„Pferde und Freu(n)de“ – das alljährliche Motto des Landesbreitensportturnieres wurde auch beim 18. Mal auf der Bad Segeberger Rennkoppel gelebt. Über 500 Pferde machten ihren Reitern, Führern, Fahrern, Voltigierern und Zuschauern am vergangenen Wochenende sichtlich Freude. Auch die Veranstalter waren erfreut, über den harmonischen Ablauf und die positive Bilanz: Rund 1000 Teilnehmer haben in über 80 Wettbewerben sich und ihr Pferd präsentiert, durchgeführt wurde das alles mit 300 ehrenamtlichen Helfern und rund 6200 Zuschauer waren gekommen. Trotz allem entstand weder Stress noch Hektik. „Wir genießen besonders die entspannte Stimmung auf dieser Veranstaltung“, sagte Organisatorin Maritres Hötger vom Pferdesportverband Schleswig-Holstein. „Bei uns steht nicht die Leistung der Einzelnen im Vordergrund, sondern der Spaß und die Freude mit dem Partner Pferd. Um das umzusetzen, haben wir ein eingespieltes Team und engagierte Verbände und Vereine, die seit vielen Jahren wissen was sie tun und jedes Jahr wieder unglaubliche Leistungen vollbringen.“

Shettys und Kaltblüter, Westernreiter und Kutschen – manch Zuschauer wusste gar nicht, was er sich zuerst ansehen sollte. Bei rund 80 verschiedenen Wettbewerben gab es fast alles zu sehen, was der Pferdesport zu bieten hat. „Und diese große Vielfalt ist genau das, was wir unseren Teilnehmern anbieten wollen“, so Anke Voswinkel, Breitensportbeauftragte des Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein. „Egal, ob jemand Western oder Wanderreiten macht, eine Kostümquadrille vorbereitet, Kutsche fährt, Kaltblüter, Isländer, Warmblüter oder Shetlandponys reitet – hier ist jeder willkommen.“

„Ich wusste gar nicht, was man alles mit Pferden unternehmen kann“, sagte Zuschauerin Denise Ceserano aus Armstedt. „Zwar mag ich die Tiere unheimlich gerne, habe mich mit meinen 42 Jahren aber noch nicht in den Sattel getraut. Hier habe ich Kutschfahrer gesehen oder Leute, die ihre Pferde am Strick führen und zu Fuß mit ihnen verschiedene Aufgaben bewältigen. Ich glaube, ich finde nun doch noch eine Möglichkeit, am Pferdesport teilzunehmen!“

Das Team schaffte es auch in diesem Jahr wieder, den Teilnehmern und Zuschauern etwas Neues anzubieten: Die seit Jahren beliebte Gelassenheitsprüfungen (GHP) die „Geisterbahn für Pferde“ wurde um zwei Varianten erweitert: Beim „Vertrauen auf Distanz" mussten die Teilnehmer am durchhängenden Führseil Nervenstärke zwischen Flatterband, rasselnden Säcken und plötzlich aufgespannten Regenschirmen beweisen. Ein neuer Wettbewerb, den die Ausbilder für Bodenschule Sebastian und Sabine Bonnet (www.3lindenhof.com) zusammen mit Breitensport-Richterin Brigitta Deutschmann entwarfen. „Wir wollten eine neue Herausforderung für diejenigen anbieten, die die bisherigen GHPs bereits gut meistern“, erklärte Sebastian Bonnet. „Mit all unserer gemeinsamen Erfahrung haben wir uns für eine Variante am durchhängenden Zügel entschieden, bei der der Führer einen Abstand von ca. 2,50 Metern zu seinem Pferd einhält. Das Pferd ist mehr auf sich allein gestellt, wird aber auch weniger durch den Menschen gestört. Dabei sind vor allem die richtige Körperspannung und -haltung sowie die treibenden Hilfen des Führers entscheidend.“
Neu war auch die Junior-GHP für Kinder mit Helfern. „Hier zeigte sich, welches Pferd Mut beweist und seinem Führer oder Reiter vertraut. Eine Prüfung, von der alle Pferdehalter auch im Alltag profitieren - macht es doch das Pferd unerschrockener, leichter zu händeln und so den Umgang insgesamt sicherer“, erklärte Anke Voswinkel. Je ruhiger das Pferd blieb, desto besser fielen die Noten aus. Mit der Note 2 bestand als Beste Lea Körössy mit Lukas.

Ein besonderer Augenschmaus für die Zuschauer und eine große Herausforderung an die Teilnehmer war der neue Wettbewerb „It´s Showtime“, bei dem eine Kür aus Tricks und Zirkuslektionen gefordert war. Für die Ausrichtung dieses Wettbewerbs konnte der Pferdesportverband Schleswig-Holstein die deutschlandweit bekannte Buchautorin und Trainerin Sylvia „Sady" Czarnecki gewinnen. Der Fuchsschecke Pauli und Yvonne Hübner begeisterten die Zuschauer mit einer temperamentvollen Darbietung, bei der Pauli sich nicht nur verbeugte und hinsetzte, sondern auch einen Ball apportierte und mit diesem anschließend über ein Hindernis sprang – ohne Zügel oder Seil, alles allein auf Handzeichen seiner Besitzerin.

Für das Breitensportturnier machte das Team von Roger's Area aus Boklund (www.rogers-area.de ) zum ersten Mal einige seiner sonst fest angelegten Hindernisse mobil und bot im Schnupper-Extreme Trail den Teilnehmern die Gelegenheit, anspruchsvolle Naturhindernisse auszuprobieren. Darunter waren schwierige Aufgaben wie ein Schwebebalken, auf dem die Pferde Balance bewiesen oder das „Mikado“, ein wie zufällig dahin geworfener Haufen Baumstämme, den die Reiter mit ihren Vierbeinern überwinden sollten.
„So etwas wollte ich schon immer gerne mal ausprobieren“ sagte Franka Andres aus Kiel. „Zwar habe ich Zuhause auch einen Platz, auf dem ich mit Bodenhindernissen übe, aber die sind bei weitem kein Vergleich zu dem, was mir hier geboten wird.“ Ihr Pony Bounty meisterte fast alle Hindernisse überraschen gut, die Wippe aus groben Holzplanken überwand er ohne zu zögern.

Beim Jubiläumsaufmarsch der 10. SternStafettenaktionen für mehr Reit- und Fahrrouten in Schleswig-Holstein trafen zahlreiche Reiter und Fahrer nach einem kilometerlangen Ritt aus allen Himmelrichtungen gemeinsam am Sonntag auf dem Landesturnierplatz ein und übergaben die „Nordstafette“ an Dieter Medow, den Vorsitzenden des Pferdesportverbandes. Die Stafette hatte von Dänemark bis Bad Segeberg 352,5 km zurückgelegt. Wie in fast jedem Jahr war Petra Dau aus Mörel vom Team „Horsetrail“ (www.horsetrail.de) dabei. „Es macht einfach so unglaublich viel Spaß hier!“, sagte sie. „Es ist für uns Freizeitreiter immer etwas ganz Besonderes, nach einem langen Ritt auf diesem schönen Turnierplatz einzureiten und vor dieser sagenhaften Kulisse mit der großen Tribüne und all den Zuschauern aufzumarschieren. Zudem ist es eine tolle Abwechslung für unsere Pferde, mal soviel Publikum statt wie sonst nur Wald, Wiese und Treckern zu begegnen“.

„Am besten haben mir heute die Westernreiter gefallen“ erzählt der zwölfjährige Jonas aus Bad Segeberg, der mit seinen Eltern zum Zuschauen gekommen war. „Die waren richtig cool mit ihren Hüten, Lederhosen und silbernen Sporen – genau wie echte Cowboys! Jetzt möchte ich auch so richtig reiten lernen und nächstes Jahr hier mitmachen!“ Seine Schwester Milena hat dagegen Lust aufs Voltigieren bekommen. „Die haben so schön auf dem Pferd geturnt und waren auch so hübsch angezogen“, kommentierte die Neunjährige den Kostüm-Voltigier-Wettbewerb. „Und Voltigieren ist zum Einstieg ja auch viel günstiger als Reiten“, freute sich ihre Mutter.

Sie haben auch Lust, die Vielfalt und Freude mit Pferden selbst zu erleben? Der Pferdesportverband informiert Sie gerne über den passenden Angebote in Ihrer Nähe (www.pferdesportverband-sh.de).

               Fotos: Wulf Rohwedder, Holger Hansen, Susett Queisert